Demonstration gegen Microm-Schließung
Über 150 Kolleginnen und Kollegen der Walldorfer Firma Microm und weitere Beschäftigte aus anderen Standorten des Thermo Fischer Konzerns demonstrierten in der Innenstadt von Walldorf gegen die geplante Betriebsschließung.
Daneben fanden auch an weiteren Standorten des Themofisher Konzerns zur gleichen Zeit Protestmaßnahmen statt.
Wir dokumentieren den Bericht der Rhein-Neckar-Zeitung:
"Wegen Reichtum geschlossen" war auf einem der Schilder zu lesen, "Thermo Fisher Walldorf ist überall" und "Aus Profitgier 100 Arbeitsplätze ausgelöscht" auf anderen. Damit demonstrierten Mitarbeiter der Walldorfer Firma Microm und zahlreiche Kollegen aus dem Thermo-Fisher-Konzern, zu dem die Firma gehört, gestern gegen die geplante Betriebsschließung zum 31. März 2014. Gleichzeitig fanden auch an allen weiteren Thermo-Fisher-Standorten in Deutschland Kundgebungen vor den Werkstoren statt, in denen viele Mitarbeiter ihre Solidarität mit den Walldorfer Kollegen bekundeten.
Microm ist ein hoch profitabler Medizingerätehersteller mit rund 100 Mitarbeitern, einem Jahresumsatz von zuletzt 36 Millionen Euro und einer Umsatzrendite von circa 30 Prozent (so die Angaben von IG Metall). Trotz dieser Erfolgszahlen soll der Standort Walldorf aber geschlossen und die komplette Produktion nach Shanghai verlagert werden. Der Konzern führt strategische Gründe für diese Entscheidung an.
Die Demonstration in Walldorf mit über 130 Teilnehmern führte vom Friedhofsparkplatz durch die Fußgängerzone zum Marktplatz, wo in kämpferischer Stimmung die abschließende Kundgebung stattfand. Die geplante Schließung bezeichnete Bernd Knauber (IG Metall) als "Geschichte, die einem die Haare zu Berge stehen lässt". Der Standort floriere und solle trotzdem geschlossen werden. "Wir sind nicht bereit, klein beizugeben", sagte Knauber und warnte davor, dass sich diese Vorgänge "überall wiederholen" könnten.
Jürgen Bitz, Vorsitzender des Microm-Betriebsrats, brachte das Unverständnis der Mitarbeiter zum Ausdruck. Seit Thermo Fisher die Firma 2006 übernommen hatte, "haben wir Prozesse verbessert, waren produktiver und haben uns selbst bis an die Grenzen der Belastbarkeit geführt", so Bitz. Das Ergebnis könne sich sehen lassen, so habe man den Umsatz seit 2006 fast verdoppelt und die Konzernvorgaben "übererfüllt". Die Schließung wolle man nicht akzeptieren: "Ich fordere Thermo Fisher auf, den Standort nicht zu schließen und uns weiter zu beschäftigen", sagte Bitz.
"Wir stehen als Stadt an Ihrer Seite", sagte Walldorfs Bürgermeisterin Christiane Staab. Im Februar hatte der Gemeinderat eine Resolution an den Konzern verabschiedet, den Standort in Walldorf zu erhalten. Die geplante Schließung "ist für uns sehr enttäuschend", sagte die Bürgermeisterin. Schließlich tue Walldorf viel dafür, um für Firmen wie Arbeitnehmer ein attraktiver Standort zu sein. An diesem Kurs werde man festhalten. "Nicht die kurzfristige Gewinnmaximierung muss unser Ziel sein", sagte Christiane Staab.
Manfred Hoppe (IG Metall) übermittelte den Teilnehmern der Kundgebung die Grüße der Kollegen der Nußlocher Firma Leica. "Sie wissen, wie es euch geht", sagte Hoppe. Bei Leica sollten 90 Arbeitsplätze nach Shanghai verlagert werden, in den Verhandlungen konnte man die Zahl auf immer noch schmerzliche 47 drücken. "Die Auseinandersetzung lohnt sich", machte Hoppe Mut.
Kämpferisch gab sich auch Walter Heidenfelder, Betriebsratsvorsitzender von Thermo Fisher Deutschland. Man werde jetzt im Umgang mit der Konzernführung eine andere Gangart einschlagen und habe bereits eine Betriebsvereinbarung gekündigt. "Wir machen Druck", kündigte Heidenfelder für die Sozialplan-Verhandlungen an. Ganz hat er den Glauben noch nicht verloren: "Wenn es die ersten Verlagerungen gibt und es klappt nicht so, gibt es vielleicht doch noch Möglichkeiten", sagte er.
Rhein-Neckar-Zeitung im Web vom 22.03.2013
Links:
Resolution des Gemeinderats Walldorf zu Microm-Verlagerung
Rhein-Neckar-Zeitung: Dem Standort Walldorf droht die Schließung
Letzte Änderung: 24.03.2013