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"Riese Knorr-Bremse havariert"

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13.07.2017 Für den 17. August ist bei Haldex eine außerordentliche Aktionärs-Hauptversammlung angesetzt. Der Board-Vorsitzende spricht inzwischen von "feindlicher Übernahme".

Ende Juni hatten die EU-Kartellbehörden in einem ersten "Feedback" eine Genehmigung der Haldex-Übernahme durch Knorr-Bremse "aus Wettbewerbsgründen" als "sehr unwahrscheinlich" bezeichnet. Das fusionierte Unternehmen würde eine nicht zu vertretende "marktbeherrschende Stellung" erreichen. Der Haldex-Vorstand zog seine Unterstützung für Knorr zurück. "Riese Knorr-Bremse havariert", titelte darauf die schwedische Börsen-Zeitung "dagens industri".

Letzte Woche haben sich die US-Behörden der Einschätzung der EU-Ämter angeschlossen. "Phase I" der Prüfungen durch die EU-Behörden geht bis 24. Juli. Im Anschluss kann "Phase II" nochmals vier Monate dauern. Knorr-Bremse reagierte mit dem Antrag auf eine außerordentliche Aktionärs-Hauptversammlung. Da Knorr (neben rund 70 Prozent "angedienten") mit 14,9 Prozent mehr als ein Zehntel der Aktien besitzt, hatte Haldex die Versammlung einzuberufen. Die Haldex-Aktionäre sollen laut Knorr-Antrag am 17. August beschließen, der Haldex-Vorstand habe Knorr-Bremse weiter zu unterstützen und den Antrag auf Verlängerung der Aktienübernahmefrist von 26.09 bis 09.02.2018 zu befürworten.

Der von Knorr ausgebootete Kaufinteressent ZF hat in der Versammlung 20,1 Prozent der Stimmrechte. Selbst wenn Knorr die nötigen zusätzlichen 20 Prozent der Aktionäre zusammen bekäme und der Antrag durch ginge, hätte man nichts erreicht. Die Entscheidungen der schwedischen Börsenaufsicht und der EU-Kartellbehörden stehen damit immer noch aus. Auch von Knorr eingebrachte Abhilfemaßnahmen bzw. Veräußerungen von Produktbereichen waren von den EU-Behörden nicht akzeptiert worden. Haldex-CEO Bengtsson "Wir haben intensiv drei Monate mit Knorr-Bremse zusammengearbeitet, um geeignete Standorte für Veräußerungen zu finden. Potenziellen Käufern einzelner Aktivitäten wurde sogar erlaubt, eine Due Diligence (Sorgfalts-Risikoprüfung bei Unternehmenskäufen) vorzunehmen. Ein solches Vorgehen ist nicht unumstritten, da das Unternehmen interne Daten zeigt und wahrscheinlich Geheimnisse offenbart. Die potenziellen Käufer der Unternehmensteile, bei denen ein fusioniertes Unternehmen Knorr-Bremse/Haldex zu dominant wäre, fanden jedoch nicht die Zustimmung der Behörden."

Letzte Woche hat Knorr nun versucht, auch den Verkauf eigener Vermögenswerte und Anlagen nachzuschieben. Haldex Board-Vorsitzender Jörgen Durban spricht inzwischen von "feindlicher Übernahme". Am 3. Juli erklärte er gegenüber der Nachrichtenagentur Bloomberg zu den neuerlichen Absichten von Knorr: "Sie wollen zusätzlich Zeit gewinnen, bevor der Deal endgültig tot ist. Dies im Hinterkopf, können wir daraus keinen anderen Schluss ziehen, als dass die wahre Motivation von Knorr-Bremse in diesem Deal ist, einen Wettbewerber aus dem Weg zu räumen."

Würden Milliardär Thiele und sein Tross mit ihren Manövern, den Konkurrenten Haldex am ausgestreckten Arm möglichst lang verhungern zu lassen, in den kommenden Wochen oder Monate scheitern, wäre der Weltmarktführer aktienrechtlich erst mal ein Jahr raus aus dem Rennen. Offensichtlich setzt die Haldex-Führung darauf, dass zwischenzeitlich ZF oder ein anderen Interessent einsteigen und Haldex übernehmen würde. Im Werk Heidelberg und den anderen Belegschaften wird der Umschwung der Haldex-Verantwortlichen auf Ablehnung von Knorr begrüßt.

Letzte Änderung: 13.07.2017


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