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Übernahmeantrag für Haldex eingereicht

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14.06.2017 Nach neun Monaten Verschleppen hat Knorr-Bremse vor zwei Wochen bei den EU-Kartellbehörden offiziell einen Antrag auf Übernahme von Haldex eingereicht. Die Unsicherheit geht ins zweite Jahr.

Während sich ab Sommer 2016 die Schlagzeilen zum "Übernahme-Deal des Jahres" überschlagen haben, hat über den neuesten Stand mit Ausnahme einer kurzen Meldung in der Rhein-Neckar-Zeitung vom 14.06 bis Mitte des Monats kein Presseorgan berichtet: Nach einem dreiviertel Jahr hat Knorr-Bremse, Weltmarktführer für Nutzfahrzeug-Bremssteuerungsgeräte, am 2. Juni bei den EU-Wettbewerbsbehörden einen offiziellen Antrag auf Übernahme des Konkurrenten Haldex eingereicht. Dies geht aus einer Mitteilung des Haldex-Vorstands an die Beschäftigten hervor. Angekündigt worden war dies von Knorr bereits im September 2016. Mitbewerber ZF wurde mit einem extrem überhöhten 580 Millionen Euro-Angebot ausgestochen. Bis Anfang Dezember haben darauf 86 Prozent der Haldex-Aktionäre ihre Aktien Knorr-Bremse "angedient". Knorr macht in der Nutzfahrzeug-Zulieferbranche mit 9 700 Beschäftigten 2,5 Milliarden Euro Umsatz, Haldex mit 2 100 Beschäftigten eine halbe Milliarde.

Seit Anfang Juni befindet sich das Geschacher damit in der "ersten Phase von 35 Arbeitstagen" (bis 21.07). Die möglichen "Szenarien" beschreibt der Haldex-Vorstand so: Ende Juni wird Knorr-Bremse von der EU-Kommission ein erstes "Feedback" erhalten. Enthält es Veräußerungs-Vorgaben, hat Knorr die Möglichkeit, dazu Vorschläge einzureichen. Auch Haldex muss Stellung nehmen. Die EU-Entscheidung im Juli über zu veräußernde Unternehmensbereiche (bei Haldex und/oder Knorr-Bremse) kann endgültig sein. Sie kann aber auch zu einer "zweiten Phase" führen. Dies würde gleichzeitig eine erneute Verlängerung des Übernahmeantrags bei der Stockholmer Aktienaufsichtsbehörde erforderlich machen, über die derzeitige Frist (26.09.2017) hinaus. Auf die US-Kartellbehörden hätte eine EU-Entscheidung wohl ebenfalls Einfluss, auch wenn diese unabhängig voneinander seien. So der Haldex-Vorstand.

Normalerweise lehnen die EU-Behörden Übernahmen nicht grundsätzlich ab. Kommt es zu "Phase zwei", kann dies weitere sechs Monate dauern. Die Genehmigung der schwedischen Aktienaufsicht für eine weitere Verlängerung ist ungewiss. Die Behörde hat aber mit der Verlängerung um drei auf neun Monate, einer bisher in Schweden einmaligen Ausnahmeregelung, schon einmal die Zustimmung erteilt. Entscheidet Knorr-Bremse, eine Übernahme sei nicht möglich bzw. die auferlegten Veräußerungen "zu umfangreich", müsste Knorr seinen Antrag an die Behörden und sein Angebot an die Haldex-Aktionäre zurückziehen. Letztere würden in die Röhre schauen.

Legt Knorr-Bremse gegebenenfalls Kauf-Interessenten für zu veräußernde Unternehmensteile vor, müssen die Käufer von den EU-Behörden als "geeignet" bestätigt werden. Notwendig wäre auch die Zustimmung der US-Behörden. Im umgekehrten Fall gilt das Gleiche. Falls es in Europa ein Ergebnis gibt, bis 26.09. aber noch keine US-Entscheidung vorliegt, ist auch in diesem Fall eine Verlängerung durch die schwedische Aktienaufsicht notwendig. Würden bezüglich Veräußerungs-Auflagen der Wettbewerbsbehörden keine geeigneten Kaufinteressenten vorgelegt, müsste Knorr ebenfalls den Rückzug verkünden.

Bei einer Vorhersage des wahrscheinlichen Ergebnisses hält sich der Haldex-Vorstand in seiner Mitteilung an die Beschäftigten bedeckt. Das sei "Spekulation, persönliche Meinung und keine faktenbasierte Analyse". Ob Knorr-Bremse Haldex überhaupt erwerben will, ob den Haldex-Beschäftigten am Ende eine Filetierung nach Bereichen und Produkten, sprich Zerschlagung des Unternehmens droht, ist weiter ungewiss.

Tatsache bleibt, bei nur einem einzigen Haldex-Produkt gibt es keine Überschneidungen. Da Knorr alle anderen acht Haldex-Hauptproduktlinien ebenfalls fertigt, ist ein Sinn für Veräußerungen von Unternehmensteilen anhand Wettbewerbskriterien kaum erkennbar. Knorr-Bremse hat aber Haldex bereits ein Jahr lang geschwächt und setzt offensichtlich auf eine weitere Verlängerung dieses Zustands bis 2018. Eigenkündigungen bei Haldex drohen vermehrt, die Chancen für eine nachhaltige eigenständige Weiterexistenz nehmen ab. Knorr-Bremse-Milliardär Heinz-Hermann Thiele, vom "Manager-Magazin" gerade in die "Hall of Fame" aufgenommen, scheint bei Haldex nach dem Motto verfahren zu können: Indem man einen lästigen Konkurrenten am ausgestreckten Arm verhungern lässt, kann man dem Ziel seiner Vernichtung auch näher kommen.

Über 80 Prozent der tariflich Beschäftigten bei Haldex Heidelberg haben deshalb Ende Mai erneut mit ihrer Unter¬schrift in einem Schreiben an den Knorr-Bremse-Vorstand und -Aufsichtsrat für den Fall einer Übernahme gefordert: Erhalt aller Arbeitsplätze, Standorte und Tarifverträge! Auch eine Filetierung wird vehement abgelehnt. Auf eine Antwort aus München wartet die Belegschaft noch.

Letzte Änderung: 14.06.2017


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